Aus aller Welt

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus aller Welt. SCHERDEL lud uns ein, einige dieser Kollegen kennenzulernen. 9.000, 5.000, 1.500, 400 – diese Zahlen machen im Gespräch die Runde. Was bedeuten sie? Nein, es sind keine Kennziffern und DIN-Normen. Das Rätsel ist schnell gelöst: Es sind Kilometerangaben, wie weit die Heimat der SCHERDEL-Kollegen von Marienberg entfernt ist. Da ist Koetsu Hashiba, Vizepräsident des Joint Ventures TOGO SCHERDEL GmbH, natürlich einsamer Spitzenreiter. Er kommt aus Japan. Federnhersteller TOGO hat mit SCHERDEL seit 2003 eine Kooperation. Auf der Kundenliste stehen die großen Autohersteller Europas und Japans. Seit 2008 ist Hashiba hier in Marienberg. Humorvoll und stolz spricht er darüber, der einzige Japaner hier zu sein. 9.000 Kilometer, das sei schon etwas. Mit Frau und zwei Töchtern ist er in Marienberg heimisch geworden. Deutschland kennt er seit 1992, das er als Sprachschüler zum ersten Mal besuchte. Danach studierte er Germanistik, zunächst in Tokio, dann in Freiburg/Breisgau.

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Vielsprachige Ausbildung

Zwei der Auszubildenden von SCHERDEL sind Sana Mohammed Kakar und Sultan Mohammed Kakar. Die Zwillingsbrüder kamen 2015 aus Afghanistan. Mit 5.000 Kilometern belegen sie in der Gesprächsrunde sicher Platz 2. Nach einem 6-monatigen Deutschkurs waren die Kakar-Brüder am Gymnasium in Olbernhau. Währenddessen hörten sie viel von der Firma SCHERDEL. Sie absolvierten ein Praktikum und entschieden sich für eine Ausbildung.
Ausbilder Ronny Ullmann ist begeistert von den Deutschkenntnissen der Zwillinge, vor allem, dass schon einiges vom erzgebirgischen Dialekt angeeignet wurde. Da geht ein herzliches Lachen durch die Runde. Überhaupt geht es in unserem Gespräch viel um diverse Sprachen. Allein die Kakar-Zwillinge sprechen sieben Sprachen: die afghanischen Hauptsprachen Paschtunisch und Dari, das pakistanische Urdu, das indische Hindi, das Persische aus dem Iran, Englisch und Deutsch. In ihrer Freizeit helfen sie daher in der Flüchtlingsbetreuung der Diakonie beim Übersetzen.

Noch eine weitere Sprache und eine ganz andere Geschichte bringt Michael Krasiuk mit in die Runde. Er ist im Controlling angestellt, kam 2014 mit der ganzen Familie über 1.500 Kilometer aus der Ukraine nach Chemnitz. Die Familie hat deutsche Vorfahren und kam über die Spätaussiedler-Regelung nach Deutschland. Diese ist im Grundgesetz verankert und ermöglicht deutschen Minderheiten aus Osteuropa die Einwanderung. Michael Krasiuk studierte Finanzwirtschaft und war glücklich, in der Nähe von Chemnitz eine so große Firma zu finden, die einen versierten Controller braucht. Neben dem Ukrainischen sind für SCHERDEL seine Russisch-Kenntnisse bei Geschäftskontakten in Osteuropa sehr wertvoll.

Ebenfalls aus Osteuropa, genauer aus Tschechien, stammt Kamila Bartsch-Jurčová. Als Assistentin der Geschäftsleitung ist sie die rechte Hand vom Chef. Sie hat die Leute für diese internationale Gesprächsrunde zusammengetrommelt. Was die Entfernung angehe, so könne sie leider nur 400 Kilometer in die Runde werfen, sagt sie. Das sorgt bei allen Beteiligten für große Heiterkeit. Überhaupt sind wir während des Gespräches fast nur am Lachen. Kamila Bartsch-Jurčová, seit 2011 in Deutschland, hat beim Erlernen des Deutschen und Erzgebirgischen viel Komisches erlebt. Viele Kollegen, sagt sie, nehmen sie inzwischen gar nicht mehr als Tschechin wahr. Nun, das ist auch kein Wunder, seit ihrer Schulzeit hat sie Deutsch gelernt.

„Offenheit und der Wille, sich gegenseitig kennenzulernen, sind entscheidend. Dann überwindet man gemeinsam die Sprachhindernisse der ersten Zeit.“

Wie groß die Unterschiede der Kulturen, Sprachen und persönlichen Geschichten hier am Tisch sind, so finden sich doch alle sehr gut zurecht. Koetsu Hashiba schwärmt: „Die Landschaft und die Städte hier im Erzgebirge sind ganz anders als in den deutschen Regionen, die ich vorher besucht hatte.“ Er und seine Familie fühlen sich sehr wohl in der schönen Umgebung, sie wohnen im Zentrum Marienbergs, was sehr praktisch sei. Alle Einkäufe ließen sich zu Fuß erledigen, die Töchter können zu Fuß zum Gymnasium gehen. Besonders freut ihn, dass es so wenig Stau auf den Straßen gäbe – ganz anders als in Tokio. Wieder erfüllt großes Lachen den Raum. Koetsu Hashiba spricht sehr überlegt – und setzt zur Freude aller immer wieder humorvolle Pointen. Michael Krasiuk kann dazu auch noch eine Pointe beisteuern. Vieles sei für ihn anfangs in Deutschland ungewöhnlich und neu gewesen, vor allem der Straßenverkehr, der sehr gesittet ablaufe: „In Kiew fahren wir eher etwas schneller“, sagt er lachend. Inzwischen fahre er gern auf den gut ausgebauten Straßen hier in der Region, natürlich mit einem guten deutschen Auto. Wir lachen. Das Lachen scheint wohl eines der Geheimnisse des guten Klimas unter den SCHERDEL-Kollegen zu sein. Jedenfalls trägt es dazu bei, dass es das Team schafft, 62 Kollegen, die aus anderen Ländern kommen, zu integrieren.

Offenheit und der Wille, sich gegenseitig kennenzulernen, sind entscheidend. Dann überwindet man gemeinsam die Sprachhindernisse der ersten Zeit. Ich bin überrascht, wie schnell wir in der gemeinsamen Arbeit zueinander finden“, berichtet Ronny Ullmann, der Einheimische. 9.000, 5.000, 1.500, 400 Kilometer – am Ende unseres Gespräches stellten wir fest, dass wir – rein zufällig – genau in dieser Reihenfolge um den Tisch saßen. Und ob sie nun alle mehr oder weniger zufällig oder nicht nach Marienberg gekommen sind, spielt keine Rolle. Hauptsache ist für die SCHERDEL-Mitarbeiter, dass diese netten Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt bleiben.

Diese Geschichte finden Sie auch auf Erzgebirge. Gedacht. Gemacht.
Text: Carsten Schulz-Nötzold
Fotos: Karla Mohr/Regionalmanagement Erzgebirge

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