Es ist Digitalisierungswoche in der Karl-Heine-Straße 55 in Leipzig. In der 3. Etage diskutiert eine Gruppe junger Menschen angeregt darüber, wo überall persönliche Daten hinterlassen werden. Was zunächst wie eine Datenschutzschulung wirkt, ist in Wirklichkeit die zweite Seminarwoche der Oktobergruppe von JOBLINGE in Leipzig.

Die über den Europäischen Sozialfond, den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig geförderte Initiative vermittelt benachteiligte Jugendliche in Ausbildungsplätze. Mit Erfolg: Nach einem 6-monatigem Programm stehen rund 75 % der Teilnehmenden in einem Ausbildungsverhältnis, wie uns Standortleiter Matthias Kretschmer stolz berichtet.

Das Erfolgsrezept der JOBLINGE

Finanziert wird es aus Fördergeldern und Spenden und gedacht ist es für unter 27-jährige, die zum Teil schon mehrere erfolglose Anläufe hinter sich haben. Abiturienten sind genauso dabei wie alleinerziehende Mütter oder Menschen mit Drogenvergangenheit. Wichtigste Erfolgsfaktoren hier sind Wertschätzung und Unternehmenskenntnis, erklärt uns Kretschmer.

„Wir sagen nicht, was schlecht gelaufen ist, sondern was verbessert werden kann und zeigen so, wie die Jugendlichen auf eigenen Beinen stehen können.“ Matthias Kretschmer, Standortleiter JOBLINGE Leipzig

Konkret kommen die Teilnehmer über ein Aufnahmeverfahren und Einzelgespräche in ein sechswöchiges Seminar. Hier lernen sie Dinge wie Selbstdarstellung und Konfliktmanagement, bekommen Bewerbungstrainings sowie Führungen durch Unternehmen und vieles mehr. Anschließend kümmern sie sich – unterstützt durch die Initiative – um Praktika, von denen eines zur Ausbildung führt. So können sie vieles ausprobieren, bekommen individuelle Unterstützung je nach Bedarf und können Interessen ausloten, ohne erneute Rückschläge zu erleiden.

JOBLINGE setzt auf Erfolgserlebnisse, die motivieren. Dabei haben die meisten schon klare Zielvorstellungen. Im Seminar werden diese dann an drei Punkten geschliffen: Interessen, Fähigkeiten und Marktanforderungen. „Wenn junge Menschen zwar nicht die besten Noten und Abschlüsse vorweisen können, aber Durchhaltevermögen und Ziele mitbringen, können sie diese hier erreichen“, so Seminarleiter Sebastian Goldhorn. Zusätzlich bekommt jeder Jugendliche einen externen Mentor an die Hand, der in persönlichen Lebenslagen unterstützen soll. Über Hilfe zur Selbsthilfe werden Probleme wie Orientierungslosigkeit und fehlendes Selbstwertgefühl angegangen.

JOBLINGE Kompass

Ein Projekt der Fachkräfteallianz der Stadt Leipzig

Schritt für Schritt vom Tablet zum Arbeitsplatz

Patricia Fedorov arbeitet an der Schnittstelle zu den Unternehmen. Marktriesen wie BMW oder Porsche, IT-Spezialisten wie Schenker Technologies und auch kleine Handwerksbetriebe gehören dazu. Fedorov weiß bestens, dass viele Jugendliche mit vorschnellen Urteilen zu kämpfen haben. „Wir empfangen jeden hier mit offenen Armen und wollen das Gleiche von den Unternehmen. Deswegen suchen wir soziale Arbeitgeber, die unseren Schützlingen echte Chancen ermöglichen.“ Damit die Jugendlichen später gut aufgehoben sind, finden viele Besuche und abstimmende Gespräche statt. Mittlerweile ist JOBLINGE deutschlandweit so renommiert, dass viele Unternehmen schon den direkten Kontakt suchen. Dennoch ist ein enger Austausch auch über die 6 Monate hinaus wichtig, um Konflikte vorzubeugen oder auszuräumen. „Die Unternehmen sollen sich als Lernbegleiter verstehen, denn sie helfen den Jugendlichen, auf eigenen Beinen zu stehen und liefern damit mehr als nur einen Ausbildungsabschluss.“

Zurück im Seminar gehen die Jugendlichen mit Tablets ausgestattet einer Gruppenarbeit nach. Sie sind begeistert, denn es gibt jeden Tag etwas Spannendes zu erleben. Besonders schätzen sie die praktischen Erfahrungen, das interaktive Lernen sowie die individuelle Betreuung. Das Ziel ist klar: „Wir sind hier nicht zum Zeitvertreib, sondern kämpfen um unseren Ausbildungsplatz!“ Auf die Frage, ob sie denn gern in der Region bleiben wollen antworten viele zustimmend: „Die Stadt ist sehr grün, die Verkehrsanbindung optimal und die Menschen sehr positiv gestimmt.“ Regionalleiter Kretschmer ergänzt: „Leipzig hat viele kluge Köpfe!“ Genau diese bringt JOBLINGE mit Bravour auf den Arbeitsmarkt.